Multiple Sklerose
Ungefähr zwei Millionen Menschen leiden weltweit unter der Multiplen Sklerose, die auch als Encephalomyelitis disseminata ( kurz: ED ) bezeichnet wird – allerdings liegt die Dunkelziffer noch um Einiges höher.
Die Erkrankung tritt meist zwischen dem 16. und dem 45. Lebensjahr auf;
Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
MS ist ( noch ) nicht heilbar, aber es gibt inzwischen eine Vielzahl an guten Medikamenten, die das Leben mit der Krankheit sehr erleichtern können.
Da die Frühwarnsymptome einer Multiplen Sklerose aber sehr unterschiedlich ausfallen und bei jedem Erkrankten andere Beschwerden in den Vordergrund treten können, dauert es häufig sehr lange, bis endlich die Diagnose MS feststeht und mit einer gut eingestellten Therapie begonnen werden kann.
Was genau versteht man denn nun unter dem Begriff Multiple Sklerose?
Die Multiple Sklerose ( MS ) ist eine nicht heilbare, chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS ). Hierbei greift das körpereigene Immunsystem die sogenannte Myelinschicht der Nervenfasern an und sorgt dort für diverse Entzündungen.
Das Myelin / Die Myelinschicht ist wie eine zweite, schützende Haut zu betrachten, die auch als eine lipidreiche ( fettreiche ) Biomembran bezeichnet wird.
Die Myelinschicht, die man auch “weiße Substanz ” bezeichnet, da sie unter dem Mikroskop weiß erscheint, regelt die Leitgeschwindigkeit zwischen den Axonen.
Bei gesunden Menschen sorgt die Blut-Hirn-Schranke dafür, dass aggressive Stoffe erst gar nicht in das Gehirn gelangen können. Bei MS-Patienten ist diese Schranke aber etwas durchlässiger und so kommen die fehlgesteuerten Immunzellen, die für die Entzündungen verantwortlich sind, leichter direkt in das Hirn.
Dort werden die entzündlichen Prozesse verursacht, Vernarbungen und Schäden an den Übertragungsleitungen bleiben zurück und die Befehle vom Gehirn können nicht mehr oder nur schlecht ausgeführt werden.
Welche Symptome können bei einer MS-Erkrankung auftreten?
Bei jedem Patienten können andere Anzeichen der Krankheit in den Vordergrund treten. Als die ” typischen” Anzeichen einer möglichen Erkrankung mit MS können folgende Symptome auftreten:
- Störungen der Augenfunktion wie Sehschwäche, Augenflimmern und unscharfes Sehen sowie ein milchiger Schleier vor den Augen, Schmerzen in den Augen
- Sensibilitätsstörungen
- Taubheitsgefühle der Hände und Füße
- Kribbeln oder Ameisenlaufen in den Gliedern
- eine Veränderung der Reflexe
- eine Erhöhung des Muskeltonus ( Anspannung der Muskeln )
- Schwindel
- Gangunsicherheit
- permanente Müdigkeit, auch Fatigue
- Störungen der Blasenfunktion wie Harninkontinenz
- Störungen der Sexualfunktionen
- Lähmungserscheinungen der Gliedmaßen
- Krämpfe in den Muskeln
- Anzeichen einer Trigeminusneuralgie
- Probleme beim Schlucken
- Sprachstörungen
- eine starke Beugung des Nackens ( Lhermitte – Erkrankung )
- Entzündungen des Sehnervs ( Retrobulärneuritis )
- ein steif wirkender Gang
- psychische Störungen
- der Babinski – Reflex ( die große Zehe bewegt sich nach oben, wenn man über die Außenseite des Fußes streicht )
Wie kann der Arzt die Erkrankung MS feststellen?
Um die Diagnose Multiple Sklerose feststellen zu können, müssen viele Einzelteile zu einem Bild zusammengefügt werden. Wichtig sind hier die Vorerkrankungen des Patienten; es folgen Magnetresonanztomographie ( MRT ), Liquoruntersuchungen, Blutuntersuchungen, Neurophysiologische Untersuchungen sowie die Ausschließung anderer neurologischer Erkrankungen.
Außerdem gibt es verschiedene Bewertungsskalen, mit der man den Verlauf der Krankheit dokumentieren sowie deren Schweregrad in verschiedene Gruppen einteilen kann.
Durch welche Faktoren kann MS hervorgerufen werden?
Die eigentlichen Ursachen der MS-Erkrankung sind bis jetzt noch nicht geklärt. Allerdings gibt es unterschiedliche Ansatzpunkte wie zum Beispiel:
- genetische Faktoren
- bestimmte Infektionen im Kindesalter
- eine Schwäche des Immunsystems
- ein fehlgesteuertes Immunsystem
- bakterielle Infektionen, u.a. auch Infektionen mit Clamydien
- ein Vitamin D-Mangel
- Rauchen
- verschiedene virale Infektionen ( Herpesvirus, Epstein-Barr-Virus )
- Umweltgifte
Welche Therapien stehen zur Verfügung ?
Mit der Therapie von MS sollte möglichst früh begonnen werden, denn nur so können die Schädigungen an den Nerven gering gehalten werden.
In den Akutphasen der Erkrankung muss an erster Stelle der Entzündungsprozess gestoppt werden, dies kann man mit Methylprednisolon in intravenöser Gabe tun. Auch Analgetika gegen die Schmerzen, Mittel zum Schutz der Magenschleimhaut, Antidepressiva oder Neuroleptika können verordnet werden. Je nach individuellen Beschwerden des Patienten schreibt der Arzt das entsprechende Mittel auf.
Als Basistherapie gibt es ebenfalls unterschiedliche Arzneimittel: als Mittel der ersten Wahl gelten hier die ß-Interferone oder eine Therapie mit Glatirameracetat ( hier ist allerdings eine positive Auswirkung erst nach 3 – 4 Monaten zu verzeichnen ). Die Schübe können durch diese Medikamente um etwa 30 – 40 Prozent verringert werden.
Doch auch hier gibt es keine Wirkung ohne Nebenwirkung: Am Anfang der Therapie muss mit grippeähnlichen Zuständen gerechnet werden, auch Muskelschmerzen kommen recht häufig vor.
Was kann die Schübe auslösen? Gibt es bestimmte Dinge, die man meiden sollte?
Jede Erkrankung wird von jedem Menschen anders erlebt, so natürlich auch bei der MS. Und so können auch bei jedem Patienten verschiedene Dinge oder Situationen für einen neuen Schub mitverantwortlich sein.
So kann zum Beispiel ein zu heißes Bad, Fieber oder ein Sonnenbad ( erhöhte Körpertemperatur ), viel Stress oder auch eine starke körperliche Anstrengung im Verdacht stehen, einen neuen Schub auszulösen. Auch eigentlich gut verträgliche Impfungen können einen akuten Schub auslösen, ebenso die Zeit nach einer Schwangerschaft.
Jeder MS-Patient entdeckt mit der Zeit selbst, was ihm gut tut und was nicht. Lange Stresssituationen sollte in jedem Falle vermieden werden und der Erkrankte sollte auf einen möglichst regelmäßigen Tagesablauf achten.
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